Bullshit – wie sage ich die Wahrheit? | SEI - Swiss Engineering Institute
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December 12, 2018
Von SEI Redaktion

Standpunkte

Bullshit – wie sage ich die Wahrheit?

Was haben die US-Schauspieler Steve McQueen, Gene Hackman und Daniel Day-Lewis gemeinsam? Alle haben Steve Spielberg bereits mindestens einmal einen Korb gegeben, als er sie um die Besetzung von Rollen in einem seiner Filme bat. Streit bei den Hyperloop-Gründern? Die Gründe sind vorderhand noch unklar. Beim Mordfall im Züricher ist soeben mitgeteilt worden, dass die Polizei in zwei Tagen eine Pressekonferenz abhalten wird. Welche Informationen bis dahin öffentlich gemacht werden können, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht gesagt werden. Die Firma Bosshard profitiert schon seit zwei Quartalen von der anhaltenden Nachfrage auf den asiatischen Märkten. Die Firma X hat ein System entwickelt, das bei Hagel automatisch Alarm auslöst und die Storen hochfährt, um diese vor Hagelschlag zu schützen.

Sie wollen mehr davon?

Ein Blick quer über die Titelzeilen der online-Zeitung von heute Morgen hat diese Themen ergeben. Die Lektüre jeder x-beliebigen online-Zeitung gibt solchen Stoff jeden Tag in Hülle und Fülle an ihre Leserinnen und Leser weiter. Fragt sich: warum eigentlich sollte der Leser das alles wissen wollen? Wir werden tagtäglich überflutet mit Informationen aller irrelevanten Art aus den verschiedensten Bereichen, gerade so, als ob uns Hollywood so wichtig wäre wie die Zentralschweizer Metallindustrie oder die Innovationen im Rollladenbau. Die Welt um uns herum geht offensichtlich davon aus, dass wir von alledem kaum jemals genug bekommen können. Relevanz und Bedeutsamkeit hat kaum eine von diesen Informationen – und deshalb kann man sie vielleicht mit dem amerikanischen Slang-Wort als «Bullshit» bezeichnen. Ob sie das wirklich sind, hängt davon ab, wie wichtig diese Aussagen für diejenigen sind, denen sie gesagt werden. Der Mitarbeiter von Bossard wird die Informationen anders hören als der morgendliche S-Bahn-fahrende Dienstleister aus dem Zürcher Seefeld oder die Fachkraft Gesundheit aus einem Spital. Ob eine Information Bullshit ist oder nicht, entscheidet sich nicht nur am Inhalt, sondern an der Art und Weise, wie die Information gegeben und aufgenommen wird. Bullshit macht auch vor keinen Grenzen der Form Halt: Zeitungen, gedruckt oder online, Videoclips oder firmeninterne Informationen – sie alle können «Bullshit» liefern. 

Was meint «Bullshit» und wie kann man ihn bewerten?

Auf diese Frage hat Harry Frankfurt eine klare Antwort. Informationen sind dann Bullshit, wenn sie zwei Bedingungen erfüllen:

  • Sie sind ohne Aufmerksamkeit für das Detail gesprochen. Nicht daher gesagt, aber grob und ohne Präzision, ohne fachspezifische Beschreibung, ohne erkennbar fachlich korrekt zu sein.
  • Sie lassen die Absicht des Sprechenden auf spezifische Weise im Dunkeln: Aussagen, die «Bullshit» sind, tun nur so, als wären sie wahr. Aber ihr Wahrheitswert tendiert in Tat und Wahrheit gegen null.

Was macht «Bullshit» im Unternehmen?

Für Unternehmen spielt die Kultur eine zentrale Rolle. Mitarbeitende erleben die Informationen, die von oben kommen, als Bullshit – oder eben auch nicht. Wollen wir Bullshit im Unternehmen haben oder vielleicht sogar aktiv pflegen, wenn Informationen wirksam ankommen sollen? Im ersten Reflex stehen die einen einer solchen Vorstellung eher ablehnend, die anderen eher bejahend gegenüber. Warum eigentlich? Wenn wir besser verstehen, welche Aufgabe der bullshit in der allgemeinen Gesellschaft einnimmt, dann können wir auch besser darüber befinden, ob bullshit nützlich oder eher störend ist beim Transport und der Weitergabe innerbetrieblicher Informationen. Unstrittig indes ist, dass Bullshit ein typischer Bestandteil jeder Unternehmenskultur darstellt.

Standpunkte Bullshit widmete sich ausführlich diesem Thema und gibt weitere Einblicke in die Welt des «Bullshit». Oder steht am Ende doch nur die Wahrheit im Rampenlicht?

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