August 24, 2018
Von SEI Redaktion

Collaboration

Cultural Fit 2020: Unternehmenskultur entscheidet

Der Cultural Fit ist ein Begriff aus der Personalpsychologie, der Übereinstimmungen beschreibt, die zwischen Mitarbeitern und Arbeitgebern bestehen sollten. Der Cultural Fit bezieht sich dabei auf die Unternehmenskultur, konkret auf Wertvorstellungen und Handlungsweisen. Das heisst: Neben Eckdaten wie Arbeitszeit oder Gehalt treten immer mehr kulturelle Anforderungen, die einen immateriellen Charakter haben, etwa Werte, Ideen oder Moral. 

So hat das gesellschaftliche Ziel der Nachhaltigkeit eine ethische Dimension, wenn es um das Zusammenleben mit gegenwärtigen und künftigen Generationen geht. Wer diese Worte ernst nimmt, gewinnt an Attraktivität am Arbeitsmarkt. Der Cultural Fit mit der gefragten jungen Generation steigt, wenn die Unternehmenskultur durch authentisch gelebte Werte geprägt ist. Was bedeutet das in der Praxis?

Auch in grossen Konzernen können partizipative Organisationsansätze effektiv genutzt werden. Zum Beispiel bei der Deutschen Lufthansa AG: In den Strukturen des Grossunternehmens ist eine kleine Einheit entstanden, die zeroG GmbH. 40 Daten-Spezialisten arbeiten in diesem Teil des Konzerns an Algorithmen, gedacht für den Flugverkehr. 

Eine Sparte konzentriert sich auf Web Analytics, also die Frage, wie sich Daten auf digitalen Kanälen wie Websites oder Social Media sammeln und auswerten lassen, um valide Einsichten in Präferenzen und Wünsche der Kunden zu gewinnen. Im Bereich Predictive Analytics ist es das Ziel, durch Big-Data-Tools aus historischen Daten wahrscheinliche Entwicklungen in der Zukunft abzuleiten. Das alles geschieht auf dem Frankfurter Flughafen in einem separaten Bürotrakt.

„Als Startup-Tochter des Lufthansa Konzerns geht es darum, in einem sehr klassischen Konzernumfeld eine Subkultur der Eigenverantwortung zu erhalten“, beschreibt Joan Hinterauer seine Beobachtungen bei der zeroG GmbH. Der Organisationsberater aus Österreich ist sich sicher, „dass es sich hier nicht um einen aufgesetzten Startup-Konzern-Versuch handelt.“

Die Mitarbeiter sind mit echter Entscheidungskompetenz ausgestattet, ein Faktor, der besonders junge Leute ansprechen sollte. Es ist ein Weg, den CEO Peter Ahnert bewusst geht. „Die Entscheidung liegt bei Euch“, vermittelt er seinen Mitarbeitern, zum Beispiel durch eine neue Gesprächskultur. Ahnert: „Meine Argumente sind so gut wie andere Argumente.“ In einer alten Position als Geschäftsführer erlebte er Folgendes häufig: Kaum hatte er sich zu Wort gemeldet, drehte sich die Diskussion in seinem Sinne, und zwar allein wegen des „Lamettas auf der Schulter“. Doch sein neuer Weg ist voller Hindernisse. So weisen auch manche Daten-Spezialisten tiefsitzende Verhaltensmuster auf. „Was sollen wir machen? “Diese Frage taucht trotz aller Offenheit des CEOs immer wieder auf. Eigenverantwortung kann unbequem sein…

Trotzdem zeigt diese andere Unternehmenskultur, dass die zeroG GmbH auf einem „Weg zur selbststeuernden Organisation“ ist, wie es Hinterauer ausdrückt. „Innovation entsteht in dieser Gemeinschaft nebenher.“

Erfahrungsschatz heben

Sicher, die zeroG GmbH ist ein Leuchtturm, wenn Unternehmenskultur und Cultural Fit zur Debatte stehen. Der Kommunikationsberater Volker Oberkircher zeichnet ein trübes Bild, wenn es um Mitbestimmung in deutschen Unternehmen geht: „Den geringsten Einfluss haben in der Regel die Mitarbeiter, die es am meisten betrifft - und die die größte Ahnung haben.“ Wer nicht auf sie hört, verschwendet eine wichtige Ressource im Unternehmen: den Erfahrungsschatz der Mitarbeiter. So schadet er seiner Unternehmenskultur und der Cultural Fit bleibt aus. Ganz klar: Partizipation ist längst eine Frage der Wettbewerbsfähigkeit. Unternehmen setzen ihre Existenz aufs Spiel, wenn sie ihre Mitarbeiter nicht ernst nehmen.

Transparenz fördern

Durch demokratische Transparenz steigt die Qualität der Entscheidungen. Davon ist auch Oberkircher überzeugt: „Homogenität ist schädlich; ein Unternehmen braucht eine Vielfalt von Lösungsansätzen, um in einer sich rasant wandelnden Umwelt zu überleben.“ Viele digitale Tools wie Wikis oder Plattformen können eine solche Unternehmenskultur unterstützen, um den Cultural Fit mit der Generation X und Y zu vergrössern. Aber: „Ein Unternehmen sollte immer alle Mitarbeiter an Bord holen und eine wirklich wertschätzende Kommunikation pflegen“, so Oberkircher. 

Gemeinsame Ziele und Belohnungen

Das bestätigt auch die Wissenschaft. „Studien zeigen, dass eine positive Firmenkultur, in der offen über Fehler gesprochen, sich gegenseitig geholfen und Wissen geteilt wird, mit der höheren Leistung des Unternehmens zusammenhängt.“ 1Besonders wird auch die Rolle von „Informations- und Belohnungssystemen“ betont, wenn es um die Effektivität von Teams geht. Die Motivation wächst, sobald Gruppen gemeinsame Ziele verfolgen und gemeinsam belohnt werden. Gefordert sind ebenfalls „Selbstmanagement-Fähigkeiten“, also die Kompetenz, sich selbst und den Arbeitsprozess bewusst im Auge zu haben. Dazu ist viel Autonomie und Freiheit am Arbeitsplatz notwendig. Der Cultural Fit mit der jungen Generation kann gelingen, wenn sich die Unternehmenskultur offen, demokratisch und transparent gestaltet.

1Hirche / Kurmann / Pallmann (2016): „Collaboration Index - Zusammenarbeit von Spezialisten erfolgreich gestalten“, „SEI Swiss Engineering Institute“, Zürich, München

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