Merkmale erfolgreicher Teams | SEI - Swiss Engineering Institute
July 13, 2018
Von SEI Redaktion

Collaboration

Merkmale erfolgreicher Teams

Zu VUCA: „Wir leben in einer Welt“, so Waltraud Gläser, „die sich ständig verändert, instabiler wird und in der kleine oder gravierende Veränderungen unvorhersehbarer werden – und zwar immer drastischer und immer schneller.“

Damit stellt die Organisationsentwicklerin fest, dass Ursache und Wirkung sich oft nicht verstehen lassen, wofür der Begriff „Volatility“ (Flüchtigkeit) steht. 

Berechenbarkeit schwindet

Auch die drei weiteren Aspekte der VUCA-Welt beschreibt Gläser stimmig. 1 Stichwort „Uncertainty“ (Ungewissheit): „Immer weniger ist klar, wohin die Reise geht.“ Es wird schwieriger, Investitionen, Entwicklungen und Wachstum zu planen. „Prognosen und Erfahrungen aus der Vergangenheit als Grundlage für die Gestaltung von Zukunft verlieren ihre Gültigkeit und Relevanz.“

Hinzu kommt „Complexity“ (Komplexität): Ursache und Wirkung lassen sich oft nicht eindeutig identifizieren. Gläser: „Entscheidungen werden zu einem nicht mehr steuerbaren Geflecht aus Reaktion und Gegenreaktion.“ Es sei kaum mehr möglich, die „Entscheidung für den einen richtigen Weg“ zu treffen.

Grau statt Schwarz und Weiss

Und „Ambiguity“ (Mehrdeutigkeit)? Sie spiegle sich in Unternehmen wider, wenn ein Sachverhalt nicht „ganz eindeutig oder ganz exakt bestimmbar“ sei. Neben Schwarz und Weiss wäre oft auch Grau für erfolgreiche Teams eine Option. Als Konsequenz formuliert die Organisationsentwicklerin: „Das ‚Was?‘ tritt hinter dem ‚Warum?‘ und dem ‚Wie?‘ zurück. Entscheidungen fordern Mut, Bewusstheit und Fehlerfreudigkeit.“

Vor dem Hintergrund dieser Umbrüche hat das Swiss Engineering Institute eine Studie veröffentlicht. 1 Thema: Erfolgreiche Teamarbeit. Die Autoren identifizieren 11 Faktoren erfolgreicher Zusammenarbeit, und zwar auf den Ebenen Organisation, Teams und Individuum.

Heterogenität ist Trumpf

Zur Struktur für erfolgreiche Teams ist in der Studie zu lesen: 

Bei komplexen und innovativen Aufgaben ist ein Team besonders effektiv, wenn die Teammitglieder Heterogenität bezüglich ihrer Fähigkeiten und ihres Wissens aufweisen und sie sich dadurch optimal ergänzen.“

Im Begriff „interdisziplinäres Team“ steckt bereits die Forderung nach einer fachlichen Heterogenität. Wichtig dabei ist, dass diese Diversität auf keinen Fall so gross ist, dass „das Team keine gemeinsame Sprache und kein gemeinsames Verständnis mehr findet.“

„Heterogenität“ ist ein schillernder Begriff. Er kann sich ebenfalls auf die seelischen Grundstrukturen beziehen, die in einem interdisziplinären Team bestehen. Wer einen Blick auf sie wirft, kann getragen durch intrinsische und extrinsische Motivation eine erfolgreiche Zusammenarbeit erreichen.

Reise in die Antike

Die Psychologie greift auf alte Konzepte zurück, etwa auf die Temperamenten-Lehre aus der antiken Humoralpathologie. Sie lässt sich in moderne Modelle der Persönlichkeitspsychologie integrieren, denn mit den vier Temperamenten lassen sich Grundzüge charakterisieren, die bei vielen Menschen zu beobachten sind. Die Typologie ist bekannt: Sanguiniker, Phlegmatiker, Choleriker und Melancholiker. Natürlich zeigt jeder Mensch Eigenschaften dieser vier Charaktertypen, je nach Situation und Rolle sticht aber ein Typus besonders hervor. Was bedeutet das für erfolgreiches Teamwork in der VUCA-Welt?

Sanguiniker (Begeisterer): Er begeistert sich leicht für eine Sache und reisst andere mit. Der Sanguiniker macht in der Regel einen optimistischen, kreativen und visionären Eindruck. Er sollte sich aber nicht immer völlig von Ideen hinreissen lassen, realistisch bleiben und bei Problemen nicht gleich die Flinte ins Korn werfen.

Keinen Rückzug antreten

Phlegmatiker (Integrierer): Er ist in der Lage, ein hohes Mass an Empathie zu entwickeln. Harmonie ist ihm wichtig. Er arbeitet hilfsbereit, kooperativ und teamorientiert, sollte aber lernen, auch eigene Meinungen zu vertreten. Bei Problemen müsste er sich selbst einmal helfen lassen und nicht den Rückzug antreten.

Melancholiker (Perfektionierer): Er denkt intensiv über seine Handlungen nach und geht dann gründlich und diszipliniert vor. Entschieden wird erst, wenn alle Aspekte eines Problems betrachtet wurden. Der Perfektionierer sollte aber lernen, dass nicht alle Abläufe im Leben planbar sind! Dafür ist es auch nötig, zu akzeptieren, dass Menschen unvollkommen sind. Treten Schwierigkeiten auf, sollte der Perfektionierer nicht das Ziel aus den Augen verlieren, auch wenn ihn Details überfluten.

Zielorientiert handeln

Choleriker (Durchsetzer): Seine Stärke liegt in einem zielorientierten und energischen Handeln. Dabei schreitet er rasch voran und fordert seine Kollegen. Der Durchsetzer könnte aber geduldiger sein und Kollegen besser zuhören. So würden auch andere Ideen das eigene Handeln inspirieren. Gibt es ein Problem, sollte der Durchsetzer nicht blind losrennen, um es sofort zu lösen.

Diese moderne Interpretation antiker Temperamente zeigt, dass die VUCA-Welt interdisziplinäre Teams, die sich auch auf der individuellen Ebene heterogen zusammensetzen, braucht. Klar, dass so auch Reibungsflächen entstehen, etwa wenn der Choleriker los stürmen will und der Melancholiker auf die Bremse tritt. Im Ausgleich dieser vielfältigen Polaritäten steckt das hohe Durchschlagspotenzial interdisziplinärer Teams. Sie bereiten sich besser auf eine VUCA-Welt vor, die je nach Situation eine andere Mischung aus Kompetenz und Temperament erfordert.

Post-heroische Manager

Dies ist allerdings nur der Fall, wenn sich Chefs eine Erkenntnis zu Herzen nehmen, die der Philosoph Charles Handy formuliert hat: „Der heroische Manager der Vergangenheit wusste alles, konnte alles und löste jedes Problem. Der post-heroische Manager fragt, wie sich ein Problem so lösen lässt, dass sich Fähigkeiten anderer Menschen entwickeln, um mit diesem Problem gut umzugehen.“

1 Gläser, Waltraud (2018):„VUCA Welt“, in: https://www.vuca-welt.devom 06.07.2018

2 Hirche, Lara / Kurmann, David / Pallmann, Christina (2016):„Collaboration Index- Zusammenarbeit von Spezialisten erfolgreich gestalten“, „SEI Swiss Engineering Institute“, Zürich, München

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